Mobbing. Warum? Gibt es einen Grund dafür, dass Menschen auf Grund ihres Aussehens oder irgendwelchen anderen Nichtigkeiten gehänselt werden? Es muss doch zumindest einen Hintergrund geben, weshalb wir uns dazu entscheiden die Schwächeren unter uns zu schikanieren, ihnen dumme Namen zu geben und auszuschließen.

Als ich in der 6. Klasse war, bekam ich eine Zahnspange. Weil ich generell einen größeren Zwischenraum zwischen Nase und Oberlippe habe und weil dies durch meine Zahnspange noch optisch verstärkt wurde, meinten ein paar Leute, es wäre lustig mich Affe zu nennen und mich mit Affenlauten zu begrüßen. Ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Weil es mich wütend gemacht hat, zeigte ich gegenüber diesen Leuten aggressives Verhalten – was sie allerdings noch viel mehr anstachelte. Zuhause habe ich oft geweint, weil ich ihnen geglaubt habe. Ich habe den Affen gesehen den sie meinten – jedes mal wenn ich in den Spiegel geschaut habe.

Heute weiß ich, dass sie falsch lagen. Wenn ich heute in den Spiegel sehe, dann sehe ich keinen Affen, sondern einen Menschen – und ganz nebenbei bin ich super zufrieden mit meinem Aussehen. Schon allein wegen meines christlichen Glaubens, kann ich mir sicher sein, dass der einzige Verwandschaftspunkt zwischen mir und einem Schimpansen nur der gemeinsame Schöpfer ist und jeder Mensch wertvoll ist, nicht egal wie er ist, sondern eben weil er so ist wie er ist.

Doch ich bin auch kein Unschuldslamm was das mobben von anderen angeht. In meiner Unsicherheit stürzte ich mich auf das nächstbeste Opfer. Hauptsache ich bin nicht der unterste in der Hackordnung. Die Wut über die eigene Unterdrückung habe ich nach unten abgegeben. Der Druck „von oben“ wurde deshalb aber trotzdem nicht leichter.

Der Grund warum wir andere unterdrücken, ist weil wir uns selbst in ihnen sehen. Es sind die menschlichen Spiegel, in denen wir die Dinge sehen, die wir an uns selbst hassen.

„Kinder können brutal sein.“ Ich denke das ist nur eine Ausrede dafür, dass wir zu faul oder zu dumm und beschränkt sind nach einer Lösung zu suchen. Für mich ist es der Glaube an Gott, der mir hilft, mich selbst als Mensch anzunehmen. Aber eine universelle Lösung des Problems ist das wahrscheinlich nicht. Deshalb laufen viele Menschen heutzutage herum wie Roboter, innerlich zerbrochen und nichtsfühlend, weil sie es sich abgewöhnt haben, um nicht verletzt zu werden.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, kann sich auch noch das Video unten ansehen. Es thematisiert dieses Problem und verbindet die Botschaft gut mit dem Bild.

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  1. Mobbing – schwieriges Thema. Ich wurde früher auch gemobbt und kann heute immer noch nicht begreifen, warum das in manche Köpfe nicht reingeht wie schmerzhaft das ist. Das war etwa bis zu meinem 15. Lebensjahr und hat mich danach noch eine Weile beeinflusst und mein Selbstwertgefühl noch 1, 2 Jahre sehr klein gehalten. Danke für das Posten des Videos – sehr mitreißend.

    • Die Entwicklung des Selbstwertgefühls geschieht nicht über Nacht. Es ist ein stetiger Prozess, der auch nach dem Teenagerdasein nicht aufhört. Mobbing unterbricht diesen Prozess. In dieser Zeit ist es wichtig, eine Person zu haben, die einem das Gefühl gibt etwas wert zu sein. Das kann Vater oder Mutter sein, der beste Freund / die beste Freundin, dein Lieblingsbuchautor – oder wie in meinem Fall, dein Gott.
      Ich denke, warum das in deren Köpfe nicht rein ging, ist weil die meisten Menschen psychopathische Züge haben (in geringem Maße). Man erschafft sich eine Realität in der man selbst relativ gut da steht, damit man sich nicht die ganze Zeit schlecht fühlen muss. Man könnte sagen, es ist eine zerstörerische Form von Selbstschutz.

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Essay

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