22. November 2015

Der Luzifer-Effekt

Im Grunde halten sich die meisten von uns für gute Menschen und denken, dass wir zu schonungsloser Gewalt nicht fähig wären. Die aktuelle Situation rund um die Terroranschläge des Islamischen Staats zeigt aber wieder einmal deutlich, dass Menschen zu großer Grausamkeit in der Lage sind. Führende Psychologen sind sich uneinig, ob es sich beim zerstörerischen Verhalten mancher Menschen nur um schwarze Schafe handelt, oder ob tatsächlich in uns allen ein verstecktes Potential zur Misshandlung von Mitmenschen oder Umwelt steckt.

Der Luzifer-Effekt beschreibt einen Prozess, bei dem aus einem normalen, gesunden Umfeld heraus etwas böses entsteht.

(Luzifer war Gottes liebster Engel und war zuständig für den gesamten Lobpreis im Himmel. Doch irgendwann entschied er sich, dass ihm das nicht genug war und dass er die Anbetung, die Gott galt, für sich selbst haben wollte. Er wollte Gottes Platz einnehmen. In dieser Revolution, die ihn ultimativ zu Satan machte, schaffte er es ein Drittel aller Engel für sich zu gewinnen. Zusammen mit diesen Engeln wurde er nach seiner Niederlage auf die Erde verbannt, wo er seither für alles Unheil unter den Menschen verantwortlich ist.)

Zuerst beschrieben wurde der Luzifer-Effekt vom amerikanischen Psychologen Philip Zimbardo infolge des Stanford-Prison-Experiments. Hier wurden „normale, gesunde“ Studenten durch die Rolle eines Gefängniswärters zu sadistischem Verhalten gegenüber den Insassen bewegt, obwohl ihnen niemand gesagt hatte, dass sie sich so verhalten sollen. Zimbardo war der Meinung, dass für die Übertretung sozialer Regeln nicht die Studenten an sich verantwortlich waren, sondern das System in das sie implementiert wurden. Die Ursachen dafür liegen bei der unvorbereiteten Übernahme von Autorität und der Deindividuation, also dem Gruppengefühl durch die Uniform, welche die Verantwortung auf jene aufteilt, die sie ebenfalls tragen.

Das diese Ansicht allerdings nicht immer populär ist sieht man beispielsweise an den Verurteilungen derjenigen die an der Berliner Mauer Landesflüchtige erschossen. Mit dem Argument man habe nur seinen Job gemacht kamen sie in diesem Fall nicht sehr weit. Nicht immer kann man die Verantwortung auf das System abwälzen, sondern manchmal muss man auch seinen eigenen Verstand benutzen.

Was sich aber auf jeden Fall behaupten lässt, ist das manche Systeme den Luzifer-Effekt begünstigen. Ein Beispiel wäre hier die katholische Kirche bzw. der Vatikan. Durch das Zölibat werden sexuell frustrierte Männer auf junge Menschen und Kinder losgelassen. Ich nenne dies eine Ausbildungsstätte für Pädophilie.
Und wenn wir gerade schon politisch inkorrekt dabei sind, leg ich noch das nächste Holzscheit ins Feuer: der Islam bietet viele Funken für die Radikalisierung. Ein religiöses Umfeld – ganz gleich um welche Religion es sich handelt – beruht normalerweise auf friedlichem Umgang mit Mitmenschen und Natur; und der Islam ist dabei nicht ausgeschlossen. Doch werden Exzerpte des Koran immer wieder als Grundlage dafür genommen, das Leben Ungläubiger zu nehmen. Zudem werden unter dem kulturellen und religiösen Gesetz der Scharia Frauen unterdrückt und andere Religionen geächtet. Zum Christentum konvertierende Moslems werden von der eigenen Familie ausgestoßen und manche sogar gesteinigt.

Ich möchte schließen, indem ich den Blick doch noch einmal auf das Individuum richte. Nicht jeder Mensch in einem schlechten System wird zu einem schlechten Menschen. Und auch nicht jedes gute System bringt auch lediglich gute Menschen hervor. Ein gläubiger Christ kann trotzdem zu einem Rassisten werden. Gleichzeitig kann aber auch ein strenger Muslim ein liebender Vater sein. Die Entscheidung in welche Richtung man geht, sei es der richtige oder der falsche Weg, liegt immer beim Einzelnen; und somit auch bei Dir.

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  1. Wird glaub ich schwierig werden, letztendlich genau „festzulegen“ wie dieser Mechanismus funktioniert und inwiefern jeder einzelne gefährdet ist für solche Taten. Es gibt einfach zu viele Einflussfaktoren in der Entwicklung eines Menschen. Soweit ich es verstanden habe sind der Glaube an einen liebenden Gott und ein positives Weltbild schonmal zwei sehr starke Faktoren, um ein Individuum „freundlich“ auf seine Mitmenschen einzustellen.

    Aber dass es einen gewissen Anteil geborene Psychopathen unter den Menschen gibt weiß man inzwischen auch, wie schlimm sich diese entwickeln hängt aber wieder stark von den Umgebungsfaktoren ab. Wenn man doch nur besser in die Gehirne reinschauen könnte. Minoritiy Report lässt grüßen.

    • Danke für den Kommentar! Es ist unsere mehr als schwierige Aufgabe die Balance zwischen dem Verständnis für die Entwicklung des Einzelnen und der Verurteilung des jeweiligen Verhaltens zu finden. Meine Gedanken haben sich in den Monaten in denen auf diesem Blog scheinbar nichts geschehen ist intensiv mit der Thematik beschäftigt. Mein Schluss ist, dass jeder Mensch ausschließlich auf die eigenen Entscheidungen einen Einfluss hat. Deshalb ist es so wichtig, wie du es ausgedrückt hast, an einen liebenden Gott zu glauben, der uns bei jedem Schritt den wir setzen liebevoll unter die Arme greifen will. Und seien die Auswirkungen noch so klein, wir können aktiv einen Einfluss auf die Gesellschaft haben!

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Essay

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